Adriatörn (2019)


Ab Juli sind wir wieder unterwegs, dieses mal geht es die Adria hoch nach Norden bis Portoroz und wieder zurück.

Hier die geplante Route:

Routenplan Adriatörn 2019

Auf dem Hinweg wollen wir Albanien besuchen und auch einen Zwischenstopp in Montenegro einlegen. Danach geht es weiter die kroatische Küste entlang mit einem Stopp in Kastela bei unseren freunden von NOA-Yachting.

Von dort schlängeln wir uns durch die kroatische Inselwelt bis nach Istrien und schließlich nach Portoroz in Slowenien. Wenn alles wie geplant läuft nehmen Ulrike, Lukas und Jakob dort an der SSS-Praxisprüfung teil.

Für den Rückweg planen wir auch wieder überwiegend auf kroatischer Seite zu bleiben, werden dann aber zu einem kleinen Crewwechsel nach Bari übersetzen. Ulrike und Jakob werden dort von Bord gehen und Hermann wird zu uns stoßen. Die Restetappe führt dann über Othonoi bzw. Erikousa und voraussichtlich Paxos zurück nach Preveza.

Soweit der Plan, mal sehen wie es läuft 😉

Samstag 29. Juni bis Samstag 6. Juli
Letzte Arbeiten am Boot und die ersten 150 Meilen

Nachdem wir mit Svens Papa noch Geburtstag gefeiert haben, machen wir uns am Samstagabend wieder auf den Weg. Diesmal allerdings nur zu dritt, da Lukas noch keine Semesterferien hat (keine Angst, er darf Ende Juli nachkommen). Nach einer relativ entspannten Fahrt trotz Ferienbeginns, erreichen wir Ancona wieder recht frühzeitig und überbrücken die Wartezeit mit einer Siesta und einem kurzen Spaziergang zur Gelateria in Anconas schöner Altstadt. Mit etwa 4 Stunden Verspätung startet die Fähre Richtung Griechenland dann am späten Nachmittag (das Laden dauert gefühlte Ewigkeiten, da wegen der Ferien sehr viele PKWs mitwollen), holt die Verspätung während der Überfahrt, die wir diesmal total verschlafen, jedoch wieder auf.

Auf dem Weg von Igumenitsa nach Preveza können wir uns an kilometerlangen  Oleanderhecken erfreuen, die in allen Farben blühen . In Preveza angekommen erfolgt der übliche „rituelle“ Begrüßungsrundgang mit obligatorischen Café bei Akis, bevor wir unser Boot in der Werft in Augenschein nehmen.  Die Abdeckung hat erstaunlich gut gehalten und von nun an gehen wir wieder in den Arbeitsmodus über, denn schließlich wollen wir ja am Mittwochmorgen – also in eineinhalb Tagen – starten. Viele Arbeiten haben wir schon in den Osterferien erledigt: das Unterwasserschiff wurde für den neuen Anstrich vorbereitet, das Ruder repariert, die ganze Außenhaut poliert und ein Solarpanel neu installiert. Und wir haben die Sicherheitsausrüstung zum Service gebracht – allerdings nicht ganz erfolgreich, da bisher nur die Feuerlöscher und die EPRIRB wieder an Bord sind. Die mindestens genauso wichtigen Rettungswesten und die Rettungsinsel waren an Ostern noch nicht fertig. Deshalb wollen wir noch am Montag nach Lefkas zum Safety-Service, um sicher zu gehen, dass wir am Mittwoch startbereit sind.

Während Ulrike sich auf den Weg macht, hat der Rest der Crew eine andere Herausforderung zu meistern: Von unseren Nachbarn erfahren wir, dass sich im Baum unseres  Bootes Vögel eingenistet haben, was das geplante Aufriggen erschwert. Im Baum können wir das Nest nicht lassen, da wir ab Mittwoch unterwegs sind und die fast flüggen Vögel somit ihrer Heimat und ihrer Eltern beraubt wären. Also starten wir eine Nestumbauaktion und die kleinen Sperlinge bekommen ein neues Zuhause in zwei Obstkisten, das zum Glück  von der Vogelmama nach etwas lautstarker Schimpferei angenommen wird. Jetzt kann endlich das laufende Gut eingefädelt werden .

Das Behelfsnest

Den Dienstag verbringen wir mit der weiteren Vorbereitung des Bootes. Früh am Morgen werden die Segel aufgeriggt, alles muss gestaut werden und natürlich der Unterwasseranstrich von Sven aufgebracht werden. Müde, aber sehr zufrieden fallen wir am Abend in die Betten und sind auf den kommenden Morgen gespannt.

Sven beim „Blaumachen“

Pünktlich um 6 Uhr klingelt der Wecker- und das in den Ferien….. doch um 8.30 Uhr ist der Krantermin angesetzt… Alles verläuft nach Plan und so können wir etwa eine Stunde später in See stechen.

Startbereit

Ein kurzer Zwischenstopp noch am Stadtkai von Preveza, mit abschließender Verproviantierung beim Gemüsehändler (und auch der Honig- und Olivenölhändler, den wir an Ostern vergeblich gesucht hatten, schaut mit seiner Vespa am Kai vorbei) und die neue Reise kann beginnen. Mit anfänglich gutem Wind , der allerdings gegen Nachmittag nachlässt, segeln wir unserem Tagesziel Parga entgegen. Dort angekommen, finden wir kurz vor Einbruch der Dämmerung einen schönen Ankerplatz, stellen aber fest, dass das Ankerlicht zeitweise nicht funktioniert, sodass Jakob gleich zu Beginn des Törns den Mast erklimmen muss. Nach erfolgreicher Reparatur geht der erste schöne Segeltag bei typischer Strandbarmusik aus der Ferne zu Ende.

Wie immer gut besucht – der Ankerplatz unterhalb der Burg

Leider kein Wind am Donnerstag – doch bummeln können wir nicht gleich zu Beginn der Reise. Also muss der ungeliebte Dieselwind die nächste Etappe bestreiten- einziger Trost ist der gut gekühlte Kühlschrank und die Aussicht auf einen schönen Liegeplatz in der Mandraki-Marina unterhalb der Burg in Korfu, den wir am Nachmittag telefonisch reservieren.
Wie erwartet ist der Liegeplatz sehr malerisch, jedoch mit wenig Platz unter dem Ruder, welches den  zwei Steinbrocken auf dem Grund bei jedem vorüberfahrenden Boot bedrohlich nahe kommt.  Lösung Nummer 1: Jakob darf im relativ sauberen Marinawasser tauchen und die Steinbrocken in tiefere Regionen befördern. Doch auch mit dieser Lösung sind wir nicht ganz zufrieden und drehen das Boot schließlich doch mit dem Bug zum Anleger…. -umsonst getaucht….

Unser Liegeplatz direkt vor der Marinabar

Da wir Griechenland verlassen wollen und dazu einen Stempel im DEKPA benötigen, wollen wir uns früh am Freitagmorgen auf den Weg zur Hafenmeisterei machen. Bei noch relativ humanen Temperaturen kommen wir dort auch um 5 Minuten vor Acht an. Auf Nachfrage erfahren wir, dass wir für die Ausreise nach Italien keinen Stempel bekommen könnten, da dieser ja nicht nötig sei… Da wir jedoch ziemlich sicher sind, in Italien nicht ausklarieren zu können und keinesfalls ohne irgendein Papier im bürokratisch sehr korrekten Kroatien einreisen möchten, insistieren wir auf einen Stempel. Unser Schachzug: „Wir möchten nach Kroatien – und das ist außerhalb des Schengen-Raums. “ Gegenzug: „Die zuständige Person ist noch nicht da-die Büros öffnen erst um 8 Uhr. “ Also sollen wir uns noch 5 Minuten gedulden. Kein Problem – wir nehmen in der Eingangshalle in den bequemen Wartesesseln Platz und beobachten das Kommen und Gehen…Gegen halb Neun tut sich auch etwas in der Pförtnerloge. Nachdem ein „Kunde“ bereits erfolgreich seine Geschäfte  erledigt hat, stellen auch wir uns an.
Etwas lustlos werden wir nach unserem Anliegen gefragt und erhalten nach kurzer Beratungszeit auch unseren DEKPA – Stempel, nicht ohne das übliche Kopieren sämtlicher Bootspapiere samt Ausweisen und sogar das neue e-tepai, die elektronisch erfasste neue Bootssteuer wird sicherheitshalber mitkopiert. Nach einer knappen Stunde sind wir glücklich im Besitz unseres Stempels und darin bestärkt die Route über Italien statt Albanien und Montenegro zu wählen, um so wenig Bürokratie wie möglich durchlaufen zu müssen.

Die Mandraki Marina

Mit Aussicht auf etwas mehr Wind als am Vortag legen wir gegen Mittag in Korfu ab. Ziel ist die Insel Erikoussa, die wir schon im vorletzten Jahr als Absprunghafen nach Italien gewählt haben. Wie schon vor zwei Jahren, weht uns auf dieser Strecke der Wind kontinuierlich entgegen, sodass wir ständig aufkreuzen müssen. Und wie so oft werden aus den angekündigten 3-5 Bft. vor der Insel 5-7, sodass wir diverse Male reffen müssen und aus den geplanten 30 Meilen etwa 40 werden. Dennoch ein sehr schöner Segeltag, der in der schönen Bucht auf Erikoussa endet.

Die neue Marina von Erikoussa

Die „Bettenburgen“ von Erikoussa

Samstag heißt es relativ früh „Anker auf“, doch wir sind uns bei dem andauernden Nordwestwind nicht sicher, ob wir die geplante Etappe heute schaffen können. Der Wind kommt genau aus der Richtung, in die wir segeln müssen, um nach Otranto in Süditalien zu gelangen und zu Beginn scheint es wirklich, als hätten wir heute kein Glück. Wir schaffen von Kurs noch nicht einmal die Südspitze des Stiefelabsatzes. Doch je weiter wir Richtung Italien kommen, desto mehr dreht der Wind, wie gehofft, Richtung Nord, sodass wir nur wenige Meilen südlich von Otranto auf die italienische Küste treffen.

Volltreffer – wir kommen direkt am Capo d‘ Otranto an

Dort werden wir direkt von einer Kunstflugstaffel begrüßt, die etwas weiter nördlich über dem Meer ihre Runden dreht- ein wenig mulmig ist uns schon zu Mute… Als wir nach fast 12 Stunden Segelzeit in Otranto bei der Lega Navale ein Plätzchen  gefunden haben, erfahren wir auch, dass am Wochenende eine große Flugschau stattfindet und die gesehenen Flüge Übungsflüge waren.

Formationsflug

Gemischte Gefühle beim Anblick des Plakats

Der Hafen liegt direkt unterhalb der wunderschönen Altstadt Otrantos, sodass wir uns trotz Müdigkeit noch zu einem Stadtbummel aufmachen und uns zur Feier des Tages eine riesige Pizza gönnen (sie reicht auch noch zum Mittagessen des folgenden Tages).

Wie immer die Burg vom Hafen aus …

… und das Boot von der Burg aus

Sonntag 7. Juli bis Sonntag 14. Juli
Noch … Meilen bis Vieste

In dieser Woche ist die Herausforderung weniger, wie eigentlich erwartet, die Überfahrt nach Kroatien, sondern der Weg zum Absprunghafen Vieste am Sporn des italienischen Stiefels.
Ganze drei Anläufe brauchen wir, um unser Ziel endlich zu erreichen….

Nach einem gemütlichen Frühstück am Sonntag dümpeln wir eher ohne besondere Vorkommnisse (mit Ausnahme einer Rettungsaktion für einen herrenlosen, aber  nagelneuen Volleyball mitten auf dem Meer) nach Brindisi, wo wir nach einer kurzen Fahrt durch den Innenhafen dann doch in der Marina anlegen, weil am Stadtkai ein Openair-Konzert stattfindet und alle Plätze belegt sind. Doch selbst in der weit entfernten Marina können wir noch akustisch am Konzert teilhaben. Für Jakob steht erneut ein Tauchgang an, da wir nicht sicher sind, ob sich etwas in der Schraube verfangen hat – der Motor läuft im Stand etwas unrund. Zum Glück ist auch dieser Tauchgang „umsonst“.

Wie so oft – Blick von der Marina auf die Festung

Die Wettervorhersage ist gut, der Wind kommt auch aus geeigneter Richtung – somit beschließen wir am Montag, den Golf von Manfredonia direkt nach Vieste in einer Nachtfahrt zu queren, was uns einige Meilen Gesamtstrecke sparen kann. Der für Nachtfahrten obligatorische Nudelsalat wird vorbereitet, um die Mittagszeit abgelegt und zunächst läuft alles nach Plan – noch 107 Meilen bis Vieste….
Gegen Abend teilen wir die Nachtwachen ein und sind guter Dinge, unser Ziel am nächsten Morgen zu erreichen. Für Mittwoch ist der Durchzug einer Gewitterfront gemeldet, die wir dort abwettern wollen. Doch kurz vor Sonnenuntergang zieht direkt aus Nordwest eine Front auf, die unseren Weg empfindlich stören könnte. Also muss Plan B her – wir ändern unseren Kurs und steuern Monopoli an, wo wir nach Rücksprache mit dem Hafenmeister einen schönen Platz am Stadtkai finden.

Unser Plätzchen am Stadtkai

Wie die weitere Wetterentwicklung zeigt, war unsere Planänderung „umsonst“, denn die Front löst sich in Wohlgefallen auf, was uns ein wenig ärgert. Doch eigentlich sind wir auch ein wenig froh, dass uns der Zufall nach Monopoli gebracht hat, denn der Hafen und die direkt angrenzende Altstadt, durch die wir am späten Abend noch ein wenig spazieren, sind wirklich schön.

Monopoli – nicht das Spiel, die Stadt!

Noch 73 Meilen bis Vieste…. Die Wetterberichte werden früh am Dienstag (der Wecker hat mal wieder um 6 Uhr geklingelt) genaustens studiert und wir kommen zu dem Schluss, dass es diesmal klappen könnte. Zwar sind wieder Gewitter gemeldet, die sich jedoch alle über dem Land austoben sollen – darin sind sich alle Berichte einig. Und so legen wir sehr zeitig ab, um am späten Abend unser Ziel zu erreichen. Wieder meint es der Wind gut mit uns, weht aus passender Richtung und wir kommen gut voran. Am frühen Nachmittag quellen am Land die ersten Wolken hoch, doch alles scheint sich noch im Rahmen zu halten. Sicherheitshalber werden noch einmal die verschiedenen Wetterdienste konsultiert. Über der Toskana ist eine Gewitterfront zu sehen, die aber laut Wetterradar an Land südlich ziehen und sich dann auflösen soll. In unserer Zielrichtung scheint alles in Ordnung und wir kommen gerade bei schönem Wind gut voran. Also beschließen wir, uns nicht noch einmal vom Wetter an der Nase herumführen zu lassen und segeln weiter. Gerade als wir den Beschluss gefasst haben, hören wir in der Ferne das erste Donnergrummeln. Aus Nordwest braut sich eine bedrohliche  Gewitterfront zusammen. Wieder muss Plan B her. Nach Molfetta sind es querab noch 11 Meilen, Bari liegt 13 Meilen entfernt – allerdings direkt dort, wo wir herkommen. Beide Ziele können wir innerhalb 2- 2,5 Stunden bei „Vollgas“ erreichen. Der Blick auf die Front nimmt uns die Entscheidung ab. Wir bergen die Segel und begeben uns auf direktem Weg Richtung Bari. Doch wir haben die Front unterschätzt – sie zieht sich innerhalb weniger Minuten um uns zusammen und die ersten Blitze zucken schon am Himmel. Jetzt sind wir mittendrin, von allen Seiten blitzt und donnert es und wir können nur hoffen, dass die Blitzeinschläge möglichst weit von unserem Boot stattfinden. Nach etwa einer Stunde löst Starkregen das Blitzen uns Donnern ab und der Wind hat auf 9 -10 Windstärken (stärkste gemessene Böe: 56kt) aufgefrischt – zum Glück kommt er von hinten und die Wellen halten sich in Grenzen. Nach einer weiteren Stunde hat auch  der Regen aufgehört, der Wind sich auf Stärke 6-7 beruhigt und wir finden einen sicheren Platz in der Marina Rainieri, einer Werft im neuen Hafen von Bari. Ein Blick auf das Regenradar zeigt uns, dass die Gewitterzelle, die uns so unvorbereitet erwischt hat, innerhalb weniger Stunden von der Westküste Italiens bis nach Albanien gezogen ist.

Die Liegeplätze bei der Cantiere Navale Ranieri

Am Mittwoch ist abwettern angesagt. Eine ideale Möglichkeit, die salzige Wäsche zu waschen – und so machen Sven und Ulrike sich mit dem Bus auf ins Stadtzentrum zur Wäscherei. Die Pausen werden im Café nebenan verbracht, doch während unsere Wäsche ihre letzten Runden im Trockner dreht und wir das Café gerade verlassen wollen, hagelt es Eiswürfel vom Himmel.

Zebrastreifen „on the rocks“

Ein kurzer Anruf bei Jakob auf dem Boot, den wir bitten wollen, das neue Solarpanel abzudecken, belehrt uns, dass es noch größer geht: im Hafen hagelt es Tennisbälle und Jakob holt sich einen blauen Fleck, als er beim Versuch, das Panel abzudecken von einem solchen getroffen wird. Zum Glück übersteht Silva das Unwetter unbeschadet, sodass wir den Nachmittag trotz Gewittergegrummel in der schönen Altstadt Baris verbringen können.

Stadtmauer und Festung in Bari

… und immer noch Gewitter

Donnerstag: Anlauf Nummer drei – noch 53 Meilen auf direktem Weg bis Vieste…
Allerdings kommt heute der Wind direkt von dort! Er hat etwas nachgelassen, doch die Dünung lässt deutlich auf das Wetter des Vortags schließen und so ackern wir gegen den Wind durch die bremsenden Wellen, die unser kleines Boot immer wieder einmal ganz verschwinden lassen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als entlang der Küste hoch zu kreuzen und wir haben das Gefühl, niemals anzukommen. Nach 15 Stunden und 71 Meilen können wir nachts um halb Eins endlich neben den Fischerbooten in Vieste anlegen.
Statt der anfangs erhofften 107 Meilen haben wir über 160 zurückgelegt!

Zwischen den Kuttern können wir am späten Abend anlegen

Die Hafenein- bzw. -ausfahrt im Morgenlicht

Ciao, „Bella Italia“

Kroatien – wir kommen. Bei wenig Wind und zumeist unter Motor legen wir am Freitag fast geruhsam den Weg nach Lastovo, der äußersten bewohnten dalmatinischen Insel und Einklarierungshafen zurück. Unterwegs passieren wir Palagruza, ein kleines Archipel mit Leuchturm inmitten der Adria. Hier wollten wir schon immer einmal vorbeikommen.

Palagruza – die „Hochseeinsel“ Kroatiens, mitten in der Adria

Die Beflaggung zum Einklarieren

(Ei)Land in Sicht

In Ubli auf Lastovo angekommen legen wir vorschriftsmäßig an der Zollmole an und finden eine Telefonnummer vor, die uns mit der örtlichen Grenzpolizei verbindet, welche verspricht,sich auch direkt auf den Weg zu machen.
Etwas gespannt sind wir schon, da wir verschiedentlich merkwürdige  Berichte über das Ein -und Ausklarieren in Kroatien gelesen haben. Doch die Grenzbeamten, die nach etwa einer halben Stunde auftauchen, sind superfreundlich, entschuldigen sich für die Verspätung, erledigen die Formalitäten unkompliziert in 5 Minuten und  erlauben uns, die Nacht an der Zollmole zu bleiben, da wir ja am nächsten Morgen noch beim Hafenmeister zur Anmeldung der Yacht vorbei müssen.

An der Zollmole in Ubli / Lastovo

Alles bestens! Nach dem langen Fahrtag bereiten wir unser etwas verspätetes Abendessen zu und sitzen gemütlich im Cockpit, als um 22.15 Uhr in der engen Bucht eine riesige Fähre auftaucht (etwa doppelt so groß wie die Fähre, die bereits am Fähranleger liegt). Sie wird von einer entsprechend großen Bugwelle begleitet, die unserem kleinen Boot am Anleger gar nicht gut tut. Jakob springt als erster vom Essen auf und hält zusammen mit Sven so gut als möglich das Boot, das wild auf und ab hüpft, von der Kaimauer ab. Resultat sind zum Glück nur ein mit lautem Knall geplatzter Fender, ein vom Tisch gefallener Teller und ein um etwa einen halben Meter längerer und etwas dünnerer Festmacher. Darauf waren wir nicht vorbereitet!

Da ist die Luft raus!

Etwas besorgt schaut der Grenzpolizist bei uns vorbei und teilt uns mit, dass die Fähre in der Nacht wieder ablege…also stellen wir unseren Wecker auf vier Uhr, um auf alles vorbereitet zu sein. Als sich kurz nach vier geschäftiges Treiben auf der Fähre einstellt, legen wir kurzerhand ab und warten die Ausfahrt der Fähre in der großen Bucht vorm Hafen ab, um uns dann wieder an die Mole zu legen und unseren wohlverdienten Schlaf fortzusetzen.
Am Morgen erledigen wir die übrigen Formalitäten beim Hafenmeister, der auch sehr freundlich ist und entscheiden uns, bis zur nächsten Insel, Korcula, weiter zu segeln.
Wieder einmal bestimmt jedoch das Wetter unseren Kurs. Zwar sind erst für den Abend Gewitter gemeldet, doch ein Donnergrummeln lässt uns kurz hinter Lastovo nach den gemachten Erfahrungen vom Dienstag direkt umkehren. Es erübrigt sich, zu erwähnen, dass es den ganzen Tag und in der darauffolgenden Nacht weder regnet noch gewittert!
Da wir einen guten Platz am ehemaligen U-Bootbunker finden, eine nette Crew aus Österreich als Nachbarn haben, verbringen wir einen weiteren Tag auf Lastovo.

Da passen auch zwei rein – die alten U-Boot- bzw. Schnellbootbunker sind gute Anleger

Zum Zeitvertreib wird neben Schwimmen und  Spazieren noch das Ankerlicht repariert (wieder einmal) und ein Stück schadhafte Fuge im Cockpit erneuert.
Bei optimalem Wind und recht früh am Morgen (der Wind soll am Nachmittag auf Nordwest drehen) verlassen wir am Sonntag Lastovo, diesmal mit dem Ziel Hvar. Mit einem guten Amwindkurs kommen wir bei strahlendem Sonnenschein bis zur Stadt Hvar. Jetzt dreht der Wind auch immer weiter auf Nordwest, sodass wir etwas mühevoll den Kanal vor der Stadt hochkreuzen müssen, aber mit dem Ziel beim „Fischer“ ein leckeres Abendessen zu bekommen (hier war Ulrike übrigens noch nie)  segelt es sich umso motivierter.

Das Leuchttürmchen am Eingang des Pakleni-Kanals

In der Stadt Hvar ist, wie immer, viel los

Am frühen Nachmittag erreichen wir aufgrund der optimalen Bedingungen (wir sind oft etwa 6 Knoten schnell gefahren) die herrliche kleine Bucht und machen an der Boje fest.

Die kleine, aber sehr feine Konoba

Doch bevor wir am Abend das leckere Essen genießen können, steht noch eine Herausforderung für unseren „Bordtaucher“ Jakob an. Bei seiner Routinekontrolle beim Schwimmen hat Jakob festgestellt, dass die Opferanode an der Schraubenwelle sich gelockert und verschoben hat. Dies können wir so nicht anstehen lassen, also muss die Anode getauscht werden … selbstverständlich unter Wasser!!!  In mehreren Tauchgängen (wir sollten Jakob doch einmal einen Tauchkurs spendieren, damit er mit Tauchausrüstung arbeiten könnte) wird die alte Anode abgeschraubt und die neue angebracht. Jetzt hat Jakob sich sein Abendessen redlich verdient!

Montag 15. Juli bis Montag 22. Juli
Kein Wind – Flautendümpeln und nerviges Motoren

Das Motto der Woche ist „Heute kein/wenig Wind“ und dann meistens noch aus der falschen Richtung. Wenn die nachmittäglichen Seewinde nicht wären, könnten wir die Segel abmontieren. Wir bewegen uns von Ankerbucht zu Ankerbucht und lassen uns recht viel Zeit, da wir glücklicherweise schon weit gekommen sind und das Zeitpolster noch relativ groß ist. Doch der Reihe nach:

Anfang der Woche sind wir von Windlöchern umgeben und auch der Gennaker, den wir kurz setzen,  kann uns nicht weiterhelfen, sodass wir am Montag die ganze Strecke nach Kaštela motoren müssen.

Der Leuchtturm an der Durchfahrt zwischen Brač und Šolta

Das Ozeanographische Institut an der Einfahrt zur Kaštela Bucht

Hier wollen wir uns neu verproviantieren und vor allem unseren langjährigen Vercharterern, mit denen wir immer noch Mailkontakt haben „Hallo“ sagen. Ungewöhnlich ist das Ankommen in Kaštela schon, da bisher unsere Reisen immer beendet waren, wenn wir diese Marina angesteuert haben -und zudem ist es fast windstill, ein seltenes Phänomen für diesen Hafen. Aber der Wasserdruck ist gigantisch, weshalb wir das Boot und die Segel endlich mal wieder von ihrer dicken Salzkruste und den Kiefernnadeln aus Lastovo, die noch immer in jeder Ritze des Bootes auftauchen, befreien.

In der Marina Kaštela

Nachdem wir am Dienstag mit Robert von „Noa-Yachting“ ein Weilchen erzählt haben, machen wir uns auf den Weg. Jetzt bläst die gewohnte Bora wieder, wenn auch sehr zahm, und mahnt uns, mit der hier üblichen Vorsicht abzulegen.
Kaum haben wir die Kaštela-Bucht verlassen, verlässt uns die Bora und wir dümpeln zunächst etwas vor uns hin, um dann mit dem auffrischenden Seewind aus NW doch noch einen richtig schönen Segeltag zu haben.

Kleines Kloster an der Steilküste von Chiovo

Bis spät in den Nachmittag kreuzen wir gegenan, verwerfen jedoch unser Tagesziel Tribunj und ankern nach immerhin fast 50 Meilen  in einer Bucht unterhalb der imposanten Schutzmauer von Grebastica, die die Halbinsel Ostrica vom Festland trennt und bereits 1497 zum Schutz vor den Osmanen errichtet wurde. Hier wollten wir auch schon immer mal hin…

Wir ankern direkt unterhalb der Wehrmauer

Mittwoch ist unser erster richtiger „Dümpeltag“. Der wenige Wind, der da ist, kommt -wie so oft- von vorne, sodass uns auch unser Gennaker nicht helfen kann. Und so motoren wir zunächst durch die schöne Inselwelt, bis uns am Nachmittag eine Brise Seewind doch noch etwas Segelvergnügen beschert. Eine Ankerbucht auf der Insel Pašman gibt uns Quartier für die Nacht.

Eher unspektakulär, aber ein guter Ankerplatz

Unser Tagesrhythmus hat sich verschoben und ist nun im Ferienmodus angelangt. Frühes Aufstehen lohnt sich mangels Wind sowieso nicht, also gehen wir die Tage mit einem gemütlichen Frühstück an. Am Donnerstag staunen wir nicht schlecht, als wir eine neue Methode des Gassigehens mit Hund erleben.  Unser Bootsnachbar dreht eine Runde mit dem Beibootdurch die gesamte Bucht, gefolgt von seinem schwimmenden, respektive paddelnden Hund, dem das Ganze jedoch zu gefallen scheint.
Aber auch ohne Wind heißt es irgendwann „Anker auf“.

Auf der See kann man Wasserwaagen eichen

Vorsichtshalber wollen wir heute wegen des Schwachwindes einen Tankstopp einlegen -wir haben bisher auf unserem Törn noch gar nicht getankt und sind in den letzten Tagen einiges motort. Doch diese Idee hatten  wohl noch andere Yachties. So warten wir fast eine Stunde vor der Tankstelle in Zaglav, einem Fährhafen von Dugi Otok, denn das Betanken einer Motoryacht dauert schon bis zu einer halben Stunde. Zumindest haben wir eine schöne Aussicht und verkürzen uns die Wartezeit mit dem Mittagessen. Etwas unverschämt finden wir die Segelyacht (woher sie kommt verraten wir nicht, denn wir wollen ja keine Vorurteile schüren), die sich vor uns an einen freien Tankplatz zwängelt, da wir ein wenig zögerlich auf die Tankstelle zugefahren sind, um die ablegende Yacht nicht zu stören. Aber wie sagte der Schweizer mit seinem Reisebus vor  Jahren vor uns an der Tankstelle in Kroatien: „Das kann jetzt dauern, aber Sie sind ja im Urlaub, Sie haben ja Zeit!“
Wieder kommt eine Nachmittagsbrise auf und so segeln wir noch bis zur nächsten Ankerbucht auf der kleinen Insel Zverinac,  gegenüber dem Nordende von Dugi  Otok. Hier fährt der Nachbarhund übrigens mit dem Motorboot an Land und geht ganz konventionell spazieren. Das klare Wasser lädt zum Schwimmen ein, ist wegen der Süßwasserquellen jedoch recht kühl – wie auch die Nächte (man merkt schon, dass wir im „hohen Norden“ angekommen sind).

Kampfschwimmer Jakob

Auch am Freitag lassen wir den Tag erst einmal gemütlich angehen. Die Methode des späten Losmotorens, um die ca. drei Stunden thermischen Wind am Nachmittag zu nutzen , hat sich bewährt. So schaffen wir zumindest etwa die Hälfte unserer Tagesstrecke unter Segeln.

Auf dem Weg: Premuda – nicht Bermuda

Heute wollen wir nach Susak, eine recht ungewöhnliche Insel, die geologisch so gar nicht zu den übrigen Inseln in diesem Archipel passen will. Die Insel besteht aus einer ca. 100 m dicken Lößschicht, die auf eine Felsplatte aufgeweht wurde.

Fels – Löß – Schilf (von unten nach oben)

Susak gefällt uns auf Anhieb: es ist für uns eine Mischung aus Erikoussa und Stromboli. Die Insel ist autofrei –  wo sollte man auch mit einem Auto hin? Transportmittel sind Einachstraktoren (Luxus, für schwere und sperrige Güter) und Schubkarren (Standard).

Die Insel-Spedition

Schubkarren stehen hier vor jeder Haustür

Wie auf Capri gibt es eine Ober- und Unterstadt, die durch eine Treppe verbunden sind. Und wir ergattern Eiswürfel, was hier etwas schwieriger als in Griechenland ist.  An unserem Liegeplatz (es war nur noch ein Platz am Anleger der Ausflugsboote frei, da das Hafenbecken immer wieder versandet und somit teilweise untief ist) gibt es zwar weder Strom noch Wasser, weswegen wir eigentlich einen Hafen angesteuert haben, aber wir können uns am Morgen zum Wassertanken auf einen frei gewordenen Platz legen.  Susak erhält von uns das Prädikat „unbedingt empfehlenswert“ und wenn möglich statten wir der Insel auf der Rückreise noch einen Besuch ab.

Die Unterstadt …

… und die Oberstadt

ganz biblisch: „auf Sand gebaut“ …

… „und auf Fels gebaut“

Dazu im Gegensatz noch was Hochmodernes: eine Solarbank zum Handyladen

Wieder kein Wind, aber diesmal aus der „richtigen“ Richtung. Endlich können wir auch bei wenig Wind so segeln, dass wir eine annehmbare Durchschnittsgeschwindigkeit erzielen: der Wind kommt von hinten und wir können den Gennaker, unser Leichtwindsegel, nutzen.
Nachdem wir am Samstag den Windschatten von Susak hinter uns gelassen haben, setzen wir den Gennaker und segeln  selbst bei 6-8 Knoten Wind schon knapp 4 Knoten schnell.
Eigentlich hatten wir uns nach Durchsicht der Wetterberichte schon entschieden, nur bis zur nächsten Insel, Unije, zu dümpeln, aber wenn das so ist…

Mit viel Geduld schaffen wir es bis zum Abend zur Südspitze Istriens und gehen in der Bucht von Medullin vor Anker. Hier ein neues Phänomen: unser Bootsnachbar zieht am Nachmittag eine Lichterkette am Spifall hoch.

und so sieht der Weihnachtsbaum am Abend aus

Aus gleicher Richtung, nur mit etwas mehr Power weht es am Sonntag, sodass wir trotz Ferienmodus und einer „Besichtigung“ von Rovinj, dem „St. Tropez“ Istriens von See aus (hier lagen wir schon einmal an den Bojen nördlich der Altstadt,  heute sehen sie jedoch eher so aus, als ob man hier nicht bleiben könnte) schon am frühen Nachmittag in der Bucht von Vrsar ankommen (hier bekommt man beim Anfunken der Marina schon mal Sprachprobleme-der italienische Name Orsera lässt sich übrigens besser aussprechen).

Rovinj im Abendlicht

und von der Schattenseite

Am Abend beschert uns eine Bigband, die auf dem Campingplatz am Ufer spielt, ein schönes und abwechslungsreiches Open-Air-Konzert. Am nächsten Tag lesen wir auf einem Plakat, dass es sich um eine Schulband aus Münster auf Benefiztour handelt – nochmals vielen Dank für die Unterhaltung.

Vrsar vom Ankerplatz aus

 

Montagmorgen: Der Routenplaner berechnet noch 2 h 55 min vom aktuellen Standort von Svens Eltern, die zusammen mit Lukas auf dem Weg zu uns sind…. Jetzt müssen wir uns aber ranhalten und unsere „Abstellkammer“ wieder zu Lukas Zimmer umbauen…

vorher

nachher

Wir verlegen uns in die Marina, machen klar Schiff und kurz nach Mittag ist der Rest der Familie dann auch schon da. Zusammen verbringen wir einen gemütlichen Tag  in Vrsar, nebenbei wird noch etwas Wäsche gewaschen und Kleinigkeiten erledigt.

In Vrsar gibt es an der Uferpromenade eine Katzenfütterstation

Dienstag 23. Juli bis Dienstag 30. Juli
Wendepunkt

Für den Rest der Woche ist dümpeln angesagt, da wir schon kurz vor unserem Wendepunkt, Potoroz, angelangt sind. Außerdem wollen wir ja noch ein paar Manöver für die Prüfung am Samstag üben.
So segeln wir am Dienstag nur ein paar Meilen bis Novigrad.

Die Seeseite von Novigrad

Auch mit dem ganz praktischen Hintergrund, dass wir hier gerne Svens Geburtstag feiern möchten. Direkt am Hafen gibt es ein gutes Restaurant, das wir vor einigen Jahren für uns entdeckt haben.

Die kleine Kneipe in unserem Hafen

Heute wählen wir allerdings die Marina als Anleger, da dort auch das Wohnmobil einen Platz finden kann (offiziell gibt es zwar keinen Strom für den Camper, der freundliche Rezeptionist empfiehlt jedoch, den Strom einfach anzuschließen – wenn es keiner der Marineros merken würde, wäre das schon o.K. ) Wie auch in Deutschland ist es die ganze Woche sehr heiß, sodass uns selbst der kurze Weg zum Marinagebäude wie ein Marathon erscheint.

Der Hafen von Novigrad im Sonnenuntergang

In Novigrad hängt der Himmel voller Regenschirme

Auch der Mittwoch hält nur eine kurze Etappe- bis Umag, dem Grenzhafen- für uns bereit. Wieder werden zwischendurch Manöver geübt und wir sind am frühen Nachmittag am Ziel.

Die See- bzw. Restaurantseite von Umag

Diesmal entscheiden wir uns für eine Boje als Anleger, schließlich möchte Jakob das neue Dinghi auch einmal nutzen. Die provisorische Abdeckung, ein altes Spannbettuch (Sven war ob der Farbe etwas entsetzt, als Jakob und Ulrike ihr Werk stolz präsentierten), hat ihre Farbe mittlerweile von knallrot nach hellrosa verändert – auch nicht viel besser…
Svens Eltern haben sich auf dem Campingplatz eingemietet und kommen am Nachmittag in der Stadt zum gemeinsamen Stadtbummel vorbei.

In der Altstadt von Umag

Auf dem Hauptplatz am Kirchturm findet ein Soundcheck statt und somit haben wir am Abend auf dem Boot wieder das Vergnügen eines Freiluftkonzerts -diesmal bunt gemischt aus Jazz, Soul, Folklore und Eigenkompositionen.

Typisch Venezianisch – der Kirchturm steht getrennt von der Kirche

Das Ausklarieren am Donnerstag erweist sich als unkompliziert. An der Außenmole der Marina ist extra ein zusätzliches Grenzbüro eingerichtet, mitsamt Hafenmeister, sodass wir in etwa zehn Minuten alle Formalitäten erledigt haben.

Der nördlichste Leuchtturm Kroatiens – Savudrija

Auch heute legen wir nur etwa zehn Meilen zurück und sind flugs in Piran, dem Grenzhafen Sloweniens. Auch hier müssen wieder alle Formalitäten erledigt werden, bevor wir uns zu unserem eigentlichen Ziel begeben können.

… und sein Pendant in Slowenien – Piran

Die Hafeneinfahrt von Piran mit der Festung darüber

Sven lassen wir übrigens in Piran, um noch ein paar Besorgungen zu machen, während der Rest der Crew weiter segelt und noch etwas übt, um Sven dann am Stadtkai von Potoroz wieder aufzunehmen.

Bürokratisch etwas schwieriger als das Einklarieren gestaltet sich die Ankunft in der Marina. Ein Reservierungsversuch  ist schon in der vergangenen Woche gescheitert, da die Marina grundsätzlich nicht für Kurzzeitgäste reserviert. Jetzt versuchen wir zumindest, uns telefonisch anzukündigen, aber auch das erweist sich als eher schwierig, da die Verbindung ständig unterbrochen wird und jedesmal die ganze Warteschleife durchlaufen werden muss. Schließlich bekommen wir doch beim Passieren des Wachhäuschens eine Liegeplatznummer zugewiesen. Also alles bestens?  Svens Eltern sind auch schon da und so machen wir erst einmal eine kurze Pause im Marinarestaurant, bevor Sven und Ulrike sich gut gelaunt auf den Weg zur Rezeption machen. Nachdem noch einige Hotelgäste eingecheckt haben, sind wir an der Reihe. Als wir der Rezeptionistin mitteilen, mit dem Boot angekommen zu sein und einchecken zu wollen, ändert sich deren Umgangston von gerade noch halbwegs freundlich auf muffelig – weshalb ist uns nicht direkt klar. Unser Ansinnen, im Voraus bezahlen zu wollen, damit wir unsere Bootspapiere wieder mitnehmen und am Nachmittag und nächsten Tag noch ein wenig in der Bucht Segeln können lehnt sie kategorisch ab. Wer einmal eingecheckt habe müsse auch bis zur Abreise auf seinem Liegeplatz bleiben. Als wir entgegnen, dass wir ja zum Segeln und nicht zum Campen gekommen seien und uns mit unserem Boot frei bewegen wollten, werden wir belehrt, dass hier ja nicht jeder machen könne, was er wolle. (Hierzu sei anzumerken, dass wir schon einmal eine ganze Woche in Potoroz waren und täglich aus – und wieder eingelaufen sind und auch alle Dauerlieger und Segelschulen die Marina ganz nach Gusto verlassen). Auf unsere Anmerkung, dass wir dies so nicht akzeptieren könnten, erhalten wir die lapidare Antwort, dass wir ja wieder nach Kroatien zurückfahren könnten, wenn uns das Ganze nicht passe. Da dies keine Option ist, beschießen wir, direkt beim Marinero am Wachhäuschen nachzufragen, lassen uns aber vorher unsere Papiere wieder geben. Der Weg zum Wachhäuschen (in der Mittagshitze einmal um die ganze Marina herum) bessert unsere mittlerweile nicht mehr gute Laune nicht wirklich. Dafür ist der Marinero sehr freundlich und hilfsbereit und meint, es sei gar kein Problem, solange wir nur irgendein Dokument in der Rezeption abgeben würden.
Gesagt, getan…. und außer etwas Unmut und etwa einem Kilometer Fußweg in der Mittagshitze ist am Ende wirklich alles gut. Bleibt zu erwähnen, dass in der Rezeption unterdessen die Rezeptionistin ausgetauscht wurde und wir eine ausnehmend freundliche und zuvorkommende Dame vorfanden.
Am Nachmittag fahren wir dann auch wirklich noch einmal raus, um noch ein paar Runden zu drehen.

Die drehen auch Runden, nur deutlich schneller

Freitag ist Abreisetag für Svens Eltern, die wegen der Hitze lieber noch ein paar Tage in den Bergen verbringen möchten. Wir nutzen den Tag, um noch etwas für die morgige Prüfung zu üben und uns die Bucht im Radar genauer einzuprägen, da sie diesbezüglich sehr  eingeschränkt ist. Außer der Marinaeinfahrt gibt es keine wirklich verlässlichen Peilobjekte.

Am Samstag ist dann der Prüfungstag gekommen. Um neuen Uhr ist Treffpunkt im Café und wir sind auch direkt dran, da die Segelschule ihre Prüfungsfahrten schon am Vortag hatte. Bei den Jungs klappt alles trotz Einhandmanöver  gut, Ulrike ist zu nervös und versemmelt gleich das Anlegen….
Doch jetzt heißt es auch gleich wieder „Leinen los“, denn wir haben ja noch fast 800 Meilen vor uns und sind wieder ganz am Anfang. Zu Beginn wollen wir natürlich soviel Strecke wie möglich machen, um soviel Zeitreserven wie möglich zu haben, denn für den Rückweg haben wir nur etwas mehr als zwei Wochen.
Gegen Mittag legt der Wind auch kräftig zu, sodass wir unser geplantes Tagesziel „aus- und in Kroatien wieder einklarieren“ erreichen. Gerne wären wir noch etwas weiter gesegelt ( 6 Bft.  „Amwind“ machen richtig Spaß), doch der Wetterbericht mit den angekündigten Gewittern hält uns davon ab.

Der Himmel über Umag

Der Hafenmeister lotst uns extra zu einer Boje im hinteren Teil des Bojenfeldes und rät uns wegen des Wetters zu einer zweiten Leine.
Unser Boot erhält eine Gratiswäsche von den Gewitterschauern, die pünktlich, wie vom Marinero angekündigt, eintreffen.
Auch am Sonntag ist abwettern angesagt und wir verlassen das Boot nur, um das Nötigste einzukaufen und zu einer kurzen Spazier- und Caférunde am Nachmittag, von der wir jedoch triefnass zurückkommen, weil uns gerade mal wieder ein Schauer erwischt hat. Ansonsten ruhen wir uns von der Hitze und den Anstrengungen der vergangenen Tage aus.
Auf Relaxen folgt erfahrungsgemäß frühes Aufstehen, denn wir müssen die am Sonntag nicht gefahrenen Meilen ja irgendwie wieder einfahren. Schließlich wollen wir am 7. August in Otranto sein…. So klingelt dann auch am Montag um sechs Uhr der Wecker. Nach einem kurzen Frühstück  und einem Wassertankstop am Stadkai haben wir gegen 8 Uhr Segel gesetzt. Doch wegen des etwas launischen Windes werden wir heute noch häufiger Segel setzen und wieder einrollen. Wenigstens kommt der manchmal etwas schwache Wind wieder aus der richtigen Richtung, weshalb wir den Gennaker gut nutzen können und stellenweise richtig schnell werden.

Das Leuchthaus an der Südspitze Istriens

Der Gennaker in Aktion

Unser Tagesziel ist Susak, weil es uns dort so gut gefallen hat und der Wind am Nachmittag so stabil ist, dass wir weiterfahren können.
Fast mir dem Sonnenuntergang kommen wir dann auch in Susak an und freuen uns schon auf die schöne Insel.

Kurz vor Susak geht die Sonne unter

Jedoch ist der Hafen erwartungsgemäß voll belegt, sodass wir auf das Bojenfeld am Südende der Bucht ausweichen müssen. Dort angekommen, beschließen wir kurzerhand, dass wir wieder einmal Plan B brauchen, da die Bojen sehr eng beieinander liegen, was uns bei der relativ starken Dünung (die sowieso total ungemütlich ist) gar nicht geheuer erscheint. Nach Losinj sind es nur etwa 4 Meilen, was in einer Stunde zu schaffen ist, sodass wir gegen 22.30 Uhr unseren Anker (bei Neumond jedoch unter erschwerten Bedingungen und mit Hilfe unserer sämtlichen Navigationsinstrumente) in einer weitaus gemütlicheren geräumigen Bucht legen.

In der kleinen Ecke links hinter dem Boot hatten wir vor Jahren auch schon mal geankert

Schon wieder klingelt der Wecker um sechs Uhr…. , denn eigentlich wollen wir am Dienstag gerne noch etwas Proviant auffüllen (ursprünglich war der Supermarkt am Hafen von Susak angedacht gewesen, aber das ist ja nun hinfällig) und Mali Losinj erscheint uns zunächst geeignet. Doch der Umweg erweist sich als zu groß, sodass nun die Suche nach einer idealen Konstellation aus Supermarkt, Übernachtungsmöglichkeit und geeigneter Tagesetappe her muss. Jakob wälzt geduldig die Hafenhandbücher, durchforstet das Internet und findet auch eine Möglichkeit, die uns sinnvoll erscheint. Leider können wir in dieser Bucht keine Boje mehr reservieren. Auch der Wind ist heute sehr launisch, sodass wir mehrmals den Gennaker auf- und abbauen….
Als wir bei „Plan B“ einem schönen Ort am Nordende von Uglijan ankommen, ist es erst 16 Uhr und wir haben endlich schönen Wind. Jetzt anhalten? Schade um den schönen Wind…. Also geht es weiter. Nur sieht es jetzt mit den Ankerplätzen nicht mehr so rosig aus, doch wir haben Glück und finden ein schönes Eckchen in Zman auf der Insel Dugi Otok. An Land gibt es sogar einen kleinen Supermarkt, also alles bestens!!!!

Blick von unserem Ankerplatz auf den kleinen Hafen von Zman (Dugi Otok)

Mittwoch 31. Juni bis Mittwoch 7. August
Rückenwind – oder – unser Freund, der Gennaker….

….so könnte man die neue Woche überschreiben. Während sich die Windstärken zu Beginn noch in Grenzen halten und wir froh sind, den Gennaker dabei zu haben, frischt es ab Samstag deutlich auf und wir kommen auch mit der üblichen Besegelung gut voran.

Startpunkt ist am Mittwoch der kleine Ort Zman auf Dugi Otok. Sehr motiviert -schließlich wollen wir heute bis Rogoznica kommen – weckt Ulrike Jakob, den Fährmann, um kurz vor sieben und lässt sich mit dem Beiboot zum Dorf bringen, um dann festzustellen, dass der kleine Dorfladen erst um 7.30 Uhr öffnet. Dafür wird das Brot auch ganz frisch vom Bäckereiauto angeliefert. Doch auch der Wind lässt auf sich warten. Um nicht zu viel motoren zu müssen, gedulden wir uns noch etwas, schwimmen im klaren Wasser der Bucht und legen gegen zehn(!) Uhr ab….umsonst so früh aufgestanden. Im Laufe des Tages stellt sich heraus, dass sich das Warten gelohnt hat. Nach anfänglich schlechtem Vorankommmen – wir dümpeln etwas am Rande der Kornaten entlang – legt der Wind am Nachmittag zu, sodass wir mit dem Gennaker richtig Fahrt aufnehmen. Dass dies auch mal nicht so günstig sein kann, zeigt uns die Begegnung mit einem Frachter, der direkt auf uns zukommt und auch auf unseren Funkanruf nicht reagiert. Also müssen wir mit dem Gennaker einmal kräftig Richtung Wind fahren, um dem Frachter auszuweichen, was seinem Zweck als Vorwindsegel so gar nicht entspricht.

Die Kornaten

Anfänglich ist der Wind noch schwach

Auch wenn wir recht spät losgekommen sind, schaffen wir es dennoch bis Rogoznica. Eigentlich hatten wir geplant, in der großen Bucht hinter der Stadt vor Anker zu gehen, doch Sven schlägt vor, es einmal am Stadtkai zu versuchen, um eventuell mal wieder Strom und Wasser zu haben. Gesagt, getan…und wir haben richtiges Glück: am Stadtkai sind trotz später Stunde noch einige Plätze frei. Den Grund hierfür nennt uns der Hafenmeister auch gleich; Er hat den ganzen Nachmittag alle weggeschickt, da sich im Rahmen eines Marktfestes eine ganze Flotte eines Angelclubs angekündigt hatte, die nun doch  nicht so viele Liegeplätze benötigt.

Rogoznica in der Abendsonne mit Gewittertürmen

Also haben wir Strom, Wasser, (etwas gewöhnungsbedürftige) Sanitäranlagen  und gleich ein ganzes Volksfest vor der Haus- bzw. Bootstür. Der Kochplan für heute ist somit erledigt und wir schaffen es sogar noch zum Einkaufen, bevor wir uns in Getümmel begeben. Die Band, die uns am Abend unterhält, wartet mit einer richtigen Lightshow auf und ist auch vom Boot aus noch gut zu hören.

Die Lightshow der Band

Übrigens liegen wir fast am gleichen Platz, an dem wir vor etwa 4 Jahren schon einmal gelegen haben, allerdings an Ostern mit deutlich ruhigerer Kulisse.

Das Freiluftrestaurant des Angelclubs direkt auf der Mole

Nachdem es erwartungsgemäß am Vorabend spät geworden ist, fällt uns das Aufstehen am Donnerstag etwas schwerer und wir legen für die geplante Distanz von etwa 60 Meilen (etwa 12-13 Stunden) relativ spät um 9 Uhr ab. Da wir die Gegebenheiten auf Lastovo jedoch kennen und die Ankerbucht recht groß und am Wochenende weniger voll ist, können wir auch etwas später ankommen. Doch wieder meint es der Wind gut mit uns, wir kommen mit unserem treuen Gennaker gut voran und müssen ihn am Nachmittag sogar einmal wegen zu starken Windes wegpacken.

Wieder haben wir unglaubliches Glück mit dem Liegeplatz. Obwohl wir erst nach 20 Uhr ankommen und in der Bucht schon einige Yachten liegen, ist der Anleger am U-Boot-Tunnel noch frei. Flugs legen wir an und fallen recht müde nach einem schnellen Abendessen in die Betten.

Der Strand neben dem U-Boot Bunker

Für unsere Überfahrt nach Italien gibt es zwei Varianten. Entweder nehmen wir den gleichen Weg, den wir gekommen sind über Vieste oder wir fahren gleich nach Bari, was uns in Summe 20-30 Meilen spart, aber auch eine Strecke von etwa 100 Meilen bedeutet, also etwa 20 Stunden, die wir wettertechnisch gut planen müssen, da es keinen Plan B gibt, wenn wir einmal losgefahren sind. Wir favorisieren eigentlich Variante B und wollen direkt nach Bari. Auch das Wetter macht seine Vorgaben: wir  haben die Wahl zwischen weniger Wind, jedoch mit Durchzug eines Tiefs und angesagten Gewittern über der Adria am Freitag (hier könnten wir es bis zum späten Nachmittag maximal bis Vieste schaffen) und „Maestral“ (aber nicht der richtige aus dem Rhonetal), einem kräftigen Nordwestwind (kurstechnisch eigentlich ganz gut) am Samstag. Wir entscheiden uns für den Wind – damit können wir besser umgehen als mit Gewittern.

Somit haben wir den Freitag „frei“.  Dennoch wollen wir, nach dem wir den Tag erst einmal ruhig angefangen haben,  kurz nach Ubli zur Tankstelle fahren und noch ein paar Einkäufe erledigen. Sowohl am Stadtkai, als auch an der Zollmole herrscht reger Bootsverkehr von ein- und auslaufenden Booten. Trotzdem finden wir noch ein Plätzchen und haben gerade geschaut, ob der Anleger an der Tankstelle ausreichende Tiefe hat, als der Tankwart auftaucht und alle Boote vom Stadtkai wegschickt- das Tankschiff habe  sich angekündigt, weswegen der Platz benötigt werde und das mit dem Tanken sowieso hinfällig wäre. Unverrichteter Dinge legen wir also wieder ab….fahren zurück zum Tunnel und erfrischen uns erst einmal bei einem Bad im kühlen Nass. Das Einkaufen holen wir dann am Nachmittag mit dem Beiboot nach…das Tankschiff liegt übrigens noch während des ganzen Mittags am Kai, ist jedoch eher ein „Tankschiffchen“.

Der „Megatanker“

Gegen Abend spazieren wir noch einmal zur Brücke, die die beiden großen Buchten teilt und genießen einen verspäteten Nachmittagskaffee mit schöner Aussicht.
Als wir zum Boot zurückkehren, hat sich mittlerweile eine italienische Yacht etwas ungünstig vor die Tunnelausfahrt geankert.  Da wir ja früh am nächsten Morgen ablegen wollen, bitten wir den Skipper, seine Landleinen etwas zu verlegen, was er auch bereitwillig mit Assistenz der Jungs macht. Er ist gerade aus Italien gekommen, aus Trani, etwas nördlich von Bari und empfiehlt uns seine Heimatstadt wärmstens. Sie sei viel schöner als Bari.

Nach dem Abendessen gehen wir früh schlafen, denn der unerbittliche Wecker klingelt ja um 5.45 Uhr und wir sollten für die lange Fahrt gut ausgeruht sein.
Gegen Mitternacht weckt uns das erste Donnergrollen der angekündigten Gewitter, gepaart mit heftigen Windböen. Da uns der relativ hohe Schwell trotz der geschützten Bucht nicht ganz geheuer ist, bringen wir (die ersten Regentropfen fallen bereits) noch eine Verspannung zur anderen Tunnelseite aus. Hier erweisen sich Jakobs geknotete Wurfleinen als sehr hilfreich. Als wir unsere „Misssion“ erfolgreich beendet haben, merkt Sven, dass der Anker unseres Nachbarn den Windböen nicht standhält. Seine Yacht ist schon fast bis zum felsigen Ufer zurückgerutscht und er versucht bereits, seine Landleinen einzuholen. Doch beim Anfahren rutscht die Yacht über eine Leine, welche sich unter dem Boot verfängt und es manövrierunfähig macht. Unterdessen treibt das Boot weiter Richtung Ufer. An dieser Stelle zu tauchen wäre zu gefährlich, also ist geplant, die Yacht zum Tunnel zu schleppen. Mit dem zum Glück starken Beiboot ziehen Sven und unser italienischer Nachbar die schwere Yacht nach vorne, während die Jungs vom Tunnel aus mit der ausgebrachten Landleine das Boot zum Anleger manövrieren wollen. Doch eine Untiefe am Tunneleingang erschwert die ganze Aktion merklich, außerdem tut der starke Wind sein Übriges… Wir überlegen schon, mit Silva abzulegen, um die Yacht freizuschleppen und haben den Motor bereits gestartet. Mittlerweile ist die Yacht etwas freigekommen, Jakob ins Beiboot umgestiegen, der italienische Skipper hat seine Tauchausrüstung angelegt und  ein weiterer Nachbar ist mit seinem Dinghy zur Stelle. Schließlich gelingt es dem Italiener, die Leine freizutauchen, während seine Yacht von zwei Beibooten mit Vollgas vom Ufer freigehalten wird – er ist wieder manövrierfähig. Nach etwa eineinhalb Stunden blanker Nerven legt die Yacht an und wir haben  einen sehr glücklichen neuen Nachbarn im Tunnel. Als Dankeschön , dem wir uns nicht erwehren können, gibt es eine Palette apulischer Weine (sehr lecker).

Die Belohnung

Mittlerweile ist es fast zwei Uhr und die Nacht nicht mehr ganz so lang und wir können wegen der vielen Aufregung auch nicht richtig schlafen. Dennoch müssen wir früh aus den Federn…
Wir wollen soweit wie möglich bei Tageslicht segeln. Leider können wir nicht einfach bei Sonnenaufgang (um etwa 5 Uhr) ablegen, sondern müssen ja noch die Ausreiseformalitäten erledigen. Unser akribisch ausgetüftelter Zeitplan für den Samstagmorgen ist folgender:
1.  Um 5.45 Uhr aufstehen.
2. Kaffee und Nudelsalat kochen und das Boot startklar machen.
3. Zwischen 6.30 Uhr und 6.45 Uhr ablegen.
4. Um kurz vor 7 Uhr am Stadtkai an der Tankstelle anlegen, zeitgleich sollen die Jungs tanken, Sven zum Hafenbüro zum Ausklarieren gehen und Ulrike noch den Supermarkt aufsuchen (Hafenbüro, Supermarkt und Tankstelle öffnen zeitgleich um 7 Uhr).
5. Nach dem Hafenbüro müssen wir noch zur Zollmole. Dafür planen wir bis etwa 7.30 Uhr ein, dann sollten wir die Segel setzen können und hätten noch etwa 13 Stunden bis zum Sonnenuntergang….
6. Frühstück auf See…

Eigentlich sollten wir wissen, dass solch ambitionierten Pläne unsinnig sind. Unser Plan funktioniert nämlich genau bis Punkt 3.
Als wir um kurz vor Sieben am Stadtkai ankommen, liegt an der geplanten Anlegestelle, deren Tiefe wir gestern schon ausgelotet hatten ein Fischkutter. Also müssen wir erst einmal an einer sicheren Stelle anlegen und den verbliebenen Anleger der Tankstelle begutachten. Es bleibt nur eine kleine Lücke am Kopfende des Hafens, in die wir uns „squeezen“ können und von der wir auch gleich nach dem Tanken wegen des stärker werdenden auflandigen Windes wieder ablegen müssen. Also nochmal zum Stadtkai…Mittlerweile ist auch der Hafenmeister da und die Verzögerung scheint minimal, bis wir erfahren, dass die Zollbeamten, die der Hafenmeister für uns anruft, erst um 8 Uhr kommen werden. Doch auch um 8 Uhr tut sich noch nicht viel an der Zollmole.

Langsam werden wir ungeduldig, waren die Zollbeamten beim Einklarieren doch „Tag und Nacht “ erreichbar. Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchen die Beamten auf und wir können endlich um kurz vor 9 Uhr ablegen. Warum sind wir eigentlich so früh aufgestanden?
Die geplante Ankunftszeit in Bari ist nun gegen 4 Uhr am Sonntagmorgen.
Hierzu gibt es auch keinen Plan B, da uns unser neuer italienischer Freund in der Nacht eingeschärft hat, uns bei Maestral wegen der Düsen und Fallwinde von Vieste und der Halbinsel Gargano  fernzuhalten. Bald frischt der Wind auch kräftig auf, kommt weit achterlich und bei 6-7 Beaufort rauschen wir rasant mit bis zu 11 Knoten  Höchstgeschwindigkeit (allerdings nur beim Absurfen der Wellen 🙂 ) durch die Wellen.

und wieder eine schöne Welle von Achtern

Mit etwa 7 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit schaffen wir die 100 Meilen in sagenhaften 14 Stunden und können gegen Mitternacht in Bari anlegen – ein richtig toller Segeltag.
Was uns erstaunt ist die Tatsache, dass uns der Marinero mitteilt, dass wir erst den Zoll abwarten müssten, bevor wir die Werft verlassen – wir müssten ja noch einklarieren. Dies haben wir in Italien bisher noch nie geschafft. Unsere früheren Versuche in Italien einzuklarieren scheiterten immer am totalen Desinteresse der Behörden. Kurz nachdem wir gefrühstückt haben, taucht auch wirklich ein von der Marina bestellter Zollbeamter auf, drückt seinen Stempel auf das vom Marinero vorbereitete Formular und die Prozedur ist beendet.

Der Beweis

Jetzt können wir uns ganz Bari widmen. Sven und Ulrike in Form des Aufsuchens eines Waschsalons (was inklusive Busfahrt und der Begegnungen im Waschsalon übrigens auch ganz spannend ist), Lukas und Jakob in Form von kultureller Bildung in der Altstadt, denn die haben sie ja noch nicht gesehen.

Die Kathedrale von Bari

Lustiger Weise steigen Lukas und Jakob auf dem Rückweg genau in den Bus ein, in dem Sven und Ulrike bereits sitzen… Es gibt wirklich schöne Zufälle.
Nach einem kurzen Nachmittagscafé legen wir dann noch Richtung Monopoli ab. Wir wollen den guten Wind möglichst lange ausnutzen.
Wieder bringt uns unser kleines Segelboot flugs zum nächsten Hafen und wir kommen noch vor Einbruch der Dunkelheit in Monopoli an. Hier tätigen wir den schon bekannten obligatorischen Anruf bei der Coastguard, um uns die Anlegeerlaubnis zu holen. Während auf dem Hinweg vor drei Wochen der Anruf genügte, werden wir heute höflich zur Coastguard gebeten, um uns ordentlich im Hafen anzumelden. Auch dies haben wir in Italien noch nie erlebt… nach Ausfüllen eines relativ langen Formulars teilt uns die junge Beamtin mit, dass wir eine Nacht bleiben dürfen und der Transitplatz kostenlos sei. Sollte es zwingende Gründe geben, dürften wir am nächsten Tag nochneinmal  eine Bleibeerlaubnis einholen. Dann wünscht sie uns einen guten Aufenthalt und wir können unserer Wege gehen.
Den Abend beschließen wir mit einem leckeren Eis in der Altstadt.

Abends im Hafen von Monopoli

Am Montag verabschieden wir uns von Monopoli und lassen uns von dem seit Tagen zuverlässigen Nordwestwind weitertragen. Unser Ziel ist Brindisi….
Diesmal ergattern wir noch einen Platz mit Mooring, Strom und Wasser am Stadtkai und müssen nicht wieder mit der langweiligen Marina vorlieb nehmen.

Am Stadtkai in Brindisi

Das nutzen wir auch mit einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt aus und widmen uns den vielen Sehenswürdigkeiten in der alten Kreuzfahrerstadt.

Die Kathedrale von Brindisi

Das Marine Ehrenmal von Brindisi

Diese Säule kennzeichnet das Ende der Via Apia

Blick über die Einfahrt zum alten Hafen und zur Burg an der (ehemaligen) Außenmole

Unsere Glückssträhne guten Windes ist am Dienstag beendet. Nur ein laues Lüftchen weht uns lustlos entgegen, als wir am Morgen den Hafen von Brindisi verlassen. Heute kommen wir nur mit etwa 1600 Umdrehungen voran… die 40 Meilen erscheinen endlos. Auch der Versuch, einen Liegeplatz in Otranto, dem Absprunghafen nach Griechenland, der für Ulrike und Jakob der letzte Hafen vor dem Heimflug ist, zu bekommen bleibt erfolglos. Die Lega Navale bietet, wie auch in Brindisi, nur Mitgliedern Transitplätze an und der Stadthafen ist voll besetzt, sodass wir  in der Bucht ankern müssen.

Unser Liegeplatz beim (Red) Semi-Sub

Gleich am Mittwochmorgen kümmern wir uns um den Liegeplatz. Wieder scheint es relativ aussichtslos, bis Sven sich nach Gabriele erkundigt, der uns auf der Hinfahrt den Liegeplatz zugewiesen hatte. Und  prompt bekommen wir auch wieder den gleichen Liegeplatz gegenüber des Submarine- Ausflugsbootes. Die Anfahrt zum Steg ist wegen der geringen Wassertiefe zwar spannend, doch wir sind total froh, einen Platz gefunden zu haben.

Einer der vielen Türme der Festung Otranto

Den Tag verbringen wir mit der Organisation des Mietwagens für den Donnerstag, diversen Einkäufen, einem Stadtbummel und Bootsputz. Am Abend gibt es dann zur Belohnung eine leckere Pizza bei 300 Mila.

Donnerstag 8. August bis Donnerstag 15. August
Endspurt

Am Donnerstag heißt es dann für Ulrike und Jakob Koffer packen. Sven und Jakob holen gegen 10 Uhr das Mietauto ab und schon geht es los Richtung Bari zum Flughafen. Lukas muss das Boot bewachen und für seine anstehenden Klausuren lernen.
Nach einem kurzen Mittagstop in Bari Palese mit leckerer Focaccia erreichen wir zeitig den Flughafen, so dass Ulrike und Jakob direkt einchecken können. Für Sven heißt es nun, die Zeit zu überbrücken, bis Hermann mit dem Flug aus Frankfurt/ Hahn ankommt – er bringt den Flieger für Ulrike und Jakob mit und hat den beiden auch ein Auto am Hahn abgestellt.
Die Maschine mit Hermann landet pünktlich in Bari. Die beiden Gruppen – Ulrike und Jakob sowie Hermann und Sven – treffen quasi zur gleichen Zeit an Ihren Bestimmungsorten – Otranto und Oberstaufenbach – ein. Das Abendprogramm in Otranto besteht im Wesentlichen aus „Zimmer beziehen“ und auf die leckere Pizza bei 300 Mila warten.
Am nächsten Morgen steht dann die wegen der geringen Wassertiefe etwas kniffelige Ausfahrt aus dem Hafen an. Der Segeltag beginnt vielversprechend mit einem leichten NE, bei dem es auf Amwindkurs direkt Richtung Erikoussa geht. So wie der Wind im Laufe des Tages zunimmt, dreht er über N nach NW und somit über Halbwind- zum Raumschotkurs. Gegen Ende des Tages, bei Othonoi hat er dann die stattliche Stärke von 8 Bft (37-39 kn) erreicht. Mittlerweile mit dem 1. Reff im Groß erreichen wir Erikoussa und gehen vor Anker. Leider ist es etwas ungemütlicher als noch vor 5 Wochen, da vom Südwind der letzten Tage noch etwas Schwell in die Bucht steht.
Für Hermann war es gleich am ersten Tag ein Segelerlebnis mit allen Kursen zum Wind und auch diversen Windstärken.

Endlich (Griechen-)Land in Sicht

Am nächsten Morgen geht es mit der ersten Morgenbrise weiter Richtung Korfu. Leider hält der Wind nicht lange, so ist motoren angesagt. Am frühen Nachmittag setzt der NW dann wieder zuverlässig ein und bringt uns bis kurz vor Korfu Stadt. Dieses Mal bekommen wir leider keinen Platz in der Marina Mandraki beim Corfu Sailing Club. Somit müssen wir erneut ankern und betrachten uns den Burgberg mal von der anderen Seite.

Die Burg auf dem Kap vor Korfu Stadt

Der nächste Morgen bringt dann das gleiche „Windspiel“ mit sich wie am Vortag; am späten Vormittag setzten wir bei einer leichten Briese den Blister, das Ganze geht aber nur knapp eine Stunde gut und wieder muss der Motor ran. An der Südspitze von Korfu hat der NW dann freies Feld und erfasst auch uns, so dass wir gut bis Gaios auf Paxos vorankommen. Dort ist aber im August noch weniger ein Liegeplatz zu bekommen als in der Mandraki Marina. So voll haben wir Gaios und die davor befindlichen Ankerplätze noch nie gesehen. Also geht es mit dem immer noch guten Wind weiter nach Parga, wo wir – wie auf dem Weg nach Norden – vor Anker gehen. Hier kommt Hermann dann auch zu seinem ersten Landgang und zum Abendessen geht es in eine schöne Taverna am Burghang mit Blick auf den Ankerplatz.

Die letzten Sonnenstrahlen streifen die Felswände am Ankerplatz

Parga im Morgenlicht

Der letzte Segeltag auf unserer Reise lässt uns noch etwas länger auf Wind warten. Die NW-Thermik erreicht uns erst ca. 12 sm vor Preveza. So findet unsere Reise noch einen schönen Abschluss und wir bergen die Segel erst direkt vor der Einfahrt zu der nun fertiggestellten alten/ neuen Marina von Preveza. Dort tanken wir das Boot für den Winter nochmal voll und am Liegeplatz angekommen geht es dann auch direkt an die Arbeit: Segel putzen, Schoten waschen, Abwassertank reinigen, … denn am nächsten Morgen ist Krantermin in Aktio.

In der Marina Preveza

Der Stadtkai von Preveza – wie immer gut besucht

Das Kranen und Aufstellen des Bootes erledigen die Werftmitarbeiter wie immer zügig und mit Routine. Für uns heißt es dann noch in der nahezu unerträglichen Hitze (40°C im Schatten – auf dem Boot in der Sonne gefühlt heißer als eine Sauna) das Boot aufzuklaren, die Koffer zu packen und zuallerletzt Silva noch abzudecken.

Und schon ist das Abenteuer Adriatörn mit SSS Praxisprüfung nach 42 Seetagen und 1400 gefahren Seemeilen beendet. Gut dass wenigstens der Zeitplan aufgegangen ist, wenn wir schon nicht die geplante Route einschlagen konnten oder wollten. Die Rückreise: mit dem Taxi nach Igoumenitsa, mit der Fähre nach Korfu, dort wieder mit dem Taxi zum Flughafen und von dort dann mit einem etwas verspäteten Flug nach Frankfurt von wo uns Ulrike abholt, endet kurz vor Mitternacht.

 

Die gefahrene Strecke – 1400 sm

Meilenübersicht (PDF)